Schilddrüsen-Stress
Starkes Krallenwachstum
Hyperthyreose

Die feline Hyperthyreose, eine Überfunktion der Schilddrüse ist die häufigste endokrine Erkrankung der älteren Katze. Die Erkrankung ist durch eine Überproduktion der Schilddrüsenhormone gekennzeichnet und wird seit über 20 Jahren mit zunehmender Häufigkeit in unserer Praxis diagnostiziert.

Verursacht wird diese Überproduktion zumeist durch einen nicht bösartigen Tumor, dem sogenannten Adenom. Bösartige Veränderungen sind extrem selten – unter 1%.

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion können sein:
  • Gewichtsverlust, obwohl die Katze gut frisst – einige Katzen haben aber absolut ein normales Gewicht! –
  • häufiges Erbrechen
  • vermehrtes Trinken und vermehrte Urinproduktion
  • häufiger Durchfall
  • leichte Erregbarkeit
  • starkes Krallenwachstum
  • Stimmveränderungen
  • gehäuftes Putzverhalten – Nervosität –
  • Veränderung der Atmung
  • erhöhte Herzfrequenz mit Rhythmusstörungen
  • die Katze nimmt ihre Umgebund nicht mehr wahr

Katzen mit einem / oder mehreren Symptomen sollten unbedingt bei uns in der Praxis vorgestellt werden!

Leider sind die aufgelisteten Symptome nicht nur typisch für eine Überfunktion der Schilddrüse, sondern können auch Zeichen einer anderen Erkrankung sein.

Wir werden den Gesundheitszustand Ihrer Katze untersuchen, eine eingehende Herz- Kreislaufuntersuchung vornehmen und Laborbefunde erstellen. Untersuchungen werden in unserer Praxis sofort vorgenommen, so dass wir Ihnen schon nach einer kurzen Wartezeit Auskunft erteilen können. Durch die sorgfältige Palpation der Halsregion lässt sich häufig schon eine Umfangsvermehrung im Schilddrüsenbereich feststellen.

Besonders wichtig ist die Überprüfung der Nierenfunktion der älteren Katze. Bedingt durch den hohen Grundumsatz bei der Schilddrüsenüberfunktion wird immer wieder eine „noch normale“ Nierenfunktion vorgetäuscht. Im Gegensatz dazu, sind die Leberwerte bei dieser Erkrankung häufig erhöht. Ein Blutbild, T4, Nieren-, Leberwerte und die Bestimmung des Blutzuckers sind unerlässliche Laborparameter bei der älteren Katze!

Leider ist die Diagnose der felinen Hyperthyreose nicht immer so einfach. Ältere Katzen leiden häufig an mehreren Krankheiten. Diese "Non Thyroid Disease" oder "Nicht Schilddrüsen bedingten Erkrankungen = NTD" können die Trägerproteine der Schilddrüsenhormone derart beeinflussen, dass der gemessene T4 Wert normal erscheint. In manchen Fällen ist es daher wichtig, den sogenannten freien T4 Wert ( fT4 ) zu messen. Gerade diese Grenzfälle benötigen sehr viel Erfahrung in der Diagnose und Therapie!

Eine Überfunktion der Schilddrüse ist bei Ihrer Katze festgestellt worden – welche Therapien gibt es?

Grundsätzlich bestehen drei mögliche Behandlungswege:
  • die Tablettentherapie
  • die Radiojodtherapie
  • die Chirurgie
Tablettentherapie:

Jede Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion sollte mit einer Tablettentherapie beginnen. Bisher wurden dazu Tabletten aus der Humanmedizin verschrieben. Seit 2005 gibt ein speziell für die Katze zugelassenes Medikament.

Diese Tabletten ( kleine Dragees ) müssen allerdings sehr regelmäßig eingegeben werden, da sie die Hormonausschüttung nur blockieren, nicht aber auf Dauer verhindern.

Die in der amerikanischen Literatur beschriebenen Nebenwirkungen haben wir nur sehr selten beobachtet.

Die einleitende Tablettentherapie bietet uns die Möglichkeit, den Stoffwechsel Ihrer Katze unter sogenannten „ Normalbedingungen“ zu beobachten, d.h. wir können erkennen, ob sich die Nieren und Leberwerte oder Herzfunktionen verändern. Im Gegensatz zu früheren Therapien, verzichtet man heute bei Herzfrequenzerhöhungen anfangs lieber auf sogenannte ß-Blocker.

Die Kontrolle der T4, Nieren-und Leberwerte sind unter der Therapie unerlässlich!

Durch die Regulierung der Schilddrüsenfunktion wird unter anderem der Blutdruck gesenkt. Als Folge dieser Absenkung werden auch die Nieren weniger durchblutet und es kann zum Anstieg der Nierenwerte kommen.

Die Nierenwerte sind – neben dem T4 Wert - die wichtigsten Parameter zur Weiterführung der Therapie!

Katzen, deren Nierenwerte sich unter der Tablettentherapie gravierend verschlechtern, sind weder Kandidaten für eine Radiojodbehandlung, noch für die Chirurgie!

In der amerikanischen Literatur wird ein „Gewöhnungseffekt„ unter der Tablettentherapie beschrieben, allerdings beziehen sich diese Statistiken auf eine Therapie mit dem Medikament Oragrafin, welches in Deutschland nicht im Handel ist ( 8 von 12 Katzen ließen sich auf lange Zeit nicht befriedigend damit einstellen ).

Eine regelmäßige Kontrolle der Laborwerte ist unbedingt erforderlich!
   
Schilddrüsentumor
Schilddrüsentumor und
normale Schilddrüse
Nur 10 Tage nach der OP
Radiojodtherapie:

In Deutschland bestehen sehr strenge Vorschriften hinsichtlich einer Radiojodtherapie bei Tieren – strenger als in der Humanmedizin!. Grundsätzlich muss die Katze einige Zeit in einer der wenigen zugelassenen Kliniken bleiben. Durch die Injektion von radiaktivem Jod werden die Zellen zerstört, die für die vermehrte Produktion von Schilddrüsenhormonen verantwortlich sind.

Einige Katzen besitzen sogenanntes „versprengtes Schilddüsengewebe“. Dieses befindet sich besonders im Brustraum und ist dort der Chirurgie nicht zugänglich. Durch eine vorab durchgeführte Szintigraphie wird dieses sichtbar gemacht und kann ebenfalls therapiert werden. Allerdings beschreibt eine neue Studie aus den Niederlanden auch bei der Radiojodtherapie einige gravierende Nebenwirkungen.


Chirurgie:

Bei der Schilddrüsenoperation wird die vergrößerte Schilddrüse entfernt. Diese Operation wird seit einigen Jahren erfolgreich in unserer Praxis durchgeführt!

Für die Besitzer, deren Katzen absolut keine Tabletten einnehmen wollen, ist die Operation Mittel der Wahl.

Wichtigste Vorraussetzung: die Herz- und Nierenfunktion ist durch die vorab erfolgte Tablettenmedikation gut eingestellt.

Vor der Operation der Katze erfolgt noch einmal eine gründliche Herzkreislaufuntersuchung. Anschließend wird die Narkose individuell auf die jeweilige Katze abgestimmt und während der Operation konstant überwacht.

Je nach Lage und Größe der Schilddrüse erfolgt ein ca. 6 cm großer Hautschnitt und die vergrößerte Schilddrüse wird vorsichtig von den sie umgebenden Strukturen – Muskeln, Gefäßen und Nerven – freipräpariert und entfernt. Die Wunde wird mit einem speziellen Nahtmaterial verschlossen.

Die Katze erhält einen leichten, mit Watte gepolsterten Verband, ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel. Wenige Stunden nach der Operation darf sie wieder nach Hause.12 Tage später werden die wenigen Fäden gezogen. An diesem Tag werden nochmals die Laborwerte kontrolliert.

Sämtliche Behandlungsoptionen und Therapiemöglichkeiten werden ausführlich mit dem Besitzer in unserer Praxis besprochen und individuell auf die Katze abgestimmt.

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